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An heißen, schweißtreibenden Tagen ist ein Schluck frisches Leitungswasser eine echte Wohltat. Bevor das kühle Nass in Walldürn aus dem Hahn sprudelt, hat es allerdings eine beeindruckende Strecke zurückgelegt. Denn: Als unermüdlich strömende Quelle für den aktuell hohen Trinkwasserbedarf in Walldürn dient der 200 Kilometer entfernte Bodensee. 

Dort wird das Rohwasser in 60 Metern Tiefe aus dem nördlichen "Finger" des Bodensees, dem Überlinger See, entnommen - es hat eine konstante Temperatur von rund fünf Grad und ist gut gegen Einflüsse von der Oberfläche geschützt. Sechs gigantische Pumpen fördern anschließend bis zu 9000 Liter pro Sekunde zur Aufbereitungsanlage auf dem Sipplinger Berg.

Dort werden Mikroorganismen abgetötet, Trübstoffe entfernt und das Wasser entkeimt, ehe es über ein weit verzweigtes und 1700 Kilometer langes Leitungsnetz nach Norden fließt. "Sieben Tage lang ist das Bodenseewasser in den Rohren unterwegs", erklärt Christian Fuhrmann, unser Meister für Gas und Wasser.

Wasser HB C.F. 2018

Nach einer Zwischenstation im Hochbehälter "Rehberg" bei Buchen ist das Wasser noch wenige Kilometer im Leitungsnetz der Bodensee-Wasserversorgung unterwegs, ehe die Walldürner Stadtwerke an einem ihrer neun eigenen Hochbehälter die weitere Verteilung übernehmen. In den zum Teil mehrkammerigen Hochbehältern wird es gespeichert und je nach Bedarf abgegeben.

Ohne Energieaufwand und durchgehend im Gefälle fließt das inzwischen acht Grad kalte Wasser von dort weiter zu den Endverbrauchern - zumindest in den Stadtteilen. "In Walldürn selbst reicht der natürliche Druck nur für die Niederzone, also den Stadtkern", erklärt Fuhrmann. "Zehn Meter Höhenunterschied entsprechen dabei einem Bar Wasserdruck."

Für höher gelegene Gebiete wie Kaserne, Walldürn-Süd und Heide stehen im Hochbehälter im Gewann "Eichseihe" vier Pumpen zur Verfügung, von denen allerdings selten mehr als eine laufe. "Manchmal springt eine zweite Pumpe an, wenn zum Beispiel die Feuerwehr für Löscharbeiten Wasser entnimmt", so Fuhrmann.

1500 Kubikmeter Wasser passen in die beiden brillenförmig angeordneten Kammern des Walldürner Speichers - das reicht, um 10.000 Badewannen zu füllen. Und normalerweise reicht es auch, um die gesamte Kernstadt einen Tag lang zu versorgen. Aufgrund der aktuellen Hitzeperiode ist der Bedarf aber deutlich gestiegen.

Während der Stadtkern an milden Sommertagen mit etwas mehr als 200 und die Hochzone mit 800 bis 1000 Kubikmetern Wasser auskommen, liegen diese Werte derzeit bei 300 und 1300 Kubikmetern. "Im Winter kaufen wir dagegen regelmäßig nur 800 Kubikmeter Wasser für beide Gebiete zusammen ein", stellt Christian Fuhrmann die Zahlen in ein Verhältnis. Jährlich bezieht die Stadt Walldürn somit rund 400.000 Kubikmeter Wasser aus dem Bodensee.

Obwohl in ganz Baden-Württemberg vier Millionen Menschen von einem einzigen Versorger abhängig sind, gibt es trotz anhaltender Hitze keinen Grund zur Sorge. "Auf den Pegel des Bodensees hat die Entnahme von Trinkwasser keinen messbaren Einfluss. Denn die Sonne ,trinkt’ weitaus mehr: Im Mittel ist die Verdunstung doppelt so hoch wie die Entnahme der Bodensee-Wasserversorgung", heißt es vonseiten des Zweckverbands.

Damit es in Walldürn keinen Anlass zur Sorge gibt, überwacht Christian Fuhrmann mehrmals täglich die Werte per EDV-Anlage in den Stadtwerken. Die Daten aller Hochbehälter laufen dort zusammen. Interessant sind für den Fachmann vor allem Ausreißer, die der üblichen Abgabe entgegenstehen.

"Ob es einen Rohrbruch gibt, kann ich zum Beispiel zwischen 2 und 4 Uhr nachts gut erkennen", erklärt Fuhrmann die Vorteile des modernen Systems. "Wir haben es hier sogar gemerkt, als in der Halbzeitpause bei der Fußballweltmeisterschaft viele Zuschauer gleichzeitig auf die Toilette gegangen sind", berichtet Fuhrmann schmunzelnd.

Einen Überblick über den Weg des Wassers erhalten Sie auch in diesem Video auf Youtube.

Weitere Infos erhalten Sie bei der

Die Stadtwerke Walldürn sind auf Ernstfälle vorbereitet und können auch in Ausnahmesituationen die Trinkwasserversorgung aufrechterhalten. Folgende Szenarien zeigen, welche Asse die Stadtwerke im Ärmel haben:

wasserversorgung

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